Cap de Barbaria - Sehenswürdigkeit der Insel
La Formentera ist mit ihren 8000 Einwohnern die zweitkleinste bewohnte Insel der Balearen und stellt vor allem durch ihre Ursprünglichkeit ein gefragtes Ausflugsziel jenseits des Massentourismus dar.
Das Cap de Barbaria, das südlichste Küstengebiet der Insel, entspricht eben diesem Bild von unberührter Natur: schroffe Felsen, deren Kanten sich vor dem immer blauen Himmel über La Formentera abzeichnen, und ein einsamer Leuchtturm als Zeugnis menschlichen Lebens.
Damit stellt das Cap de Barbaria einen eindeutigen Gegenpunkt zur Inselhauptstadt San Francisco dar, die der Ausgangspunkt für die Fahrt zur Felsenküste ist. Eine Asphaltstraße verbindet diese beiden konträren Punkte.
Sie führt über immer dünner besiedelte Gebiete, gesäumt von Kiefernhainen, Feldern und den stummen Überresten einer vergangenen Zeit, Megalithentrümmern aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus, zum Leuchtturm Far des Cap de Barbaria. Auch Ausgrabungsstätten mit Ruinen aus der Römerzeit können abseits dieser Straße besichtigt werden.
Je mehr die Zivilisation ihren Einfluss zu verlieren scheint und schließlich nur noch historische Überreste von ihrem früheren Vorhandensein künden, desto mehr wird man sich auf dieser Fahrt der für die Insel typischen Gerüche bewusst: dem Duft von Kiefernnadeln und Wildkräutern wie Mangold und Rosmarin, im Sommer und Herbst dazu noch das schwere Aroma reifer Weintrauben und Feigen.
Der Endpunkt der Straße ist ein Parkplatz, von dem aus man zu Fuß den kurzen Weg zum Leuchtturm antritt. Der Name der Insel, der vom lateinischen "frumentaria" (die Fruchtbare) abstammt, bewahrheitet sich hier: Die Fläche um den Leuchtturm herum wird heute hauptsächlich von der Landwirtschaft genutzt und unterstützt daher den Eindruck romantischer Einsamkeit, den man beim ersten Blick auf den Turm gewinnt.
Am Leuchtturm angekommen schließlich eröffnet sich ein Panorama von Tiefe und Weite: Etwa 80 Meter unter ihm braust das Meer an den schroffen Felsenküsten, der Leuchtturm selbst fußt auf der Hochebene Pla del Rei. Dieses zerklüftete Küstengebiet hat nur wenige Bewohner: Krähen, Falken, Korallen- und Weißkopfmöwen sowie den Balearen-Sturmtaucher, der sein Refugium unter anderem in der Cova Foradada, einer Höhle in der steilen Klippenwand unterhalb des Leuchtturms, sucht. Hin und wieder begegnet man auch einer verwilderten Ziege.
Gute Chancen hierfür hat man vor allem auf der empfehlenswerten Wanderung vom Torre des Cap de Barbaria, einem nordöstlich vom Leuchtturm gelegenen Wachtturm aus dem 18. Jahrhundert, zum Torre de la Gavina auf der Weistseite der Insel. Auf dem etwa 10minütigen Wanderweg kann man noch einmal die Wechselhaftigkeit der Landschaft nachvollziehen und den Blick vom schmalen Mittelteil der Insel über den Strand Migjorn zur Hochebene schweifen lassen.
Kehrt man danach wieder zum Leuchtturm zurück, sollte man dafür die Zeit kurz vor Sonnenuntergang abpassen. Nicht nur der Blick von der über dem Meer thronenden Felsenküste, die in ihrer kantigen Unzugänglichkeit den warmen Farben der untergehenden Sonne entgegensteht, ist beeindruckend; auch der Effekt des sich wandelnden Sonnenlichts auf das Gebäude selbst ist sehenswert:
Die silbern glänzende Kuppel wirft wie der Mond das Sonnenlicht zurück und ihr Blinken ist wohl auch weit vom Meer aus sichtbar – ganz ohne elektrisches Licht, das in dieser immer noch von der Natur geprägten Landschaft wohl auch fehl am Platze wäre.
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